wie WIR uns kennenlerntengaaanz profan im Linienbus Nr 5 in Sumy, Ukraine im Jahr 1995..
Maximilian machte gerade im Urlaub Sprachunterricht in Deutsch an der Pädagogischen Hochschule Sumy und Lena fuhr nach Hause, sie wohnte neben der Hochschule, als Buchhalterin einer Firma, die auch Gastronomie auf dem Hochschulgelände unterhielt. Dort landeten wir auch jenen Abend, nachdem Maxi "versehentlich" eine Station zu früh ausstieg; er dachte übrigens, Lena sei die Tochter des Chefs des Restaurants und des Studentencafés (ist sie nicht).
Was danach kam unterstützte die örtlichen Blumenhändler , verwirrte die Eltern Lenas und verschaffte dem Standesamt in Sumy Schweißtropfen :-)) Sommeranfang, 21. Juni 1996 heirateten wir dort standesamtlich, am 1. September 1996 (Schulbeginn) dann kirchlich in der kath. Pfarrkirche in Sumy.
Nikolaus – Sieg des
Volkes
Über den Heiligen der Wende
Der friedliche Verlauf der Wende ist
mit den Montagsgebeten in vielen Kirchen verbunden. Im Brennpunkt stand die
Nikolaikirche in Leipzig. Mit dem Patron dieser Kirche verbinden sich Ost und
West. Kein Heiliger außer Maria wird in der Orthodoxie wie im abendländischen
Christentum so verehrt wie der Patron der Kinder, der Bäcker, der Schiffs- und
Handelsleute.
Noch mehr lässt sich sein Name mit dem
Ruf „Wir sind das Volk“ verbinden, denn übersetzt heißt Nikolaus „Sieg des
Volkes“. Die Siegesgöttin der Griechen hieß Nike, so wie eine amerikanische
Sportmarke.
Nikolaus ist der Schutzpatron von
Russland, Lothringen, von Fribourg in der Schweiz. In Worms, Brauweiler, in
Bari, in Saint Nicola de Port in Lothringen und an vielen anderen Orten wird er
verehrt. Als im 12. und 13. Jahrhundert die Kaufleute mit der Hanse ein Netz
über Europa spannten, wählten sie diesen Heiligen, der eigentlich gar nicht
unterwegs, sondern nur an einem Ort, in Myra, tätig war, zu ihrem Schutzpatron.
Es gibt allein in Deutschland mehr als 400 Kirchen und Kapellen, die dem
Heiligen gewidmet sind. Die Nikolauskirchen liegen nämlich regelmäßig an Häfen
und anderen Städten, die sich zur mittelalterlichen Hanse zusammen geschlossen
hatten. So finden sich Nikolauskirchen in allen Osteseehäfen, auch in
Skandinavien, aber auch im Land, denn z.B. Soest, auch eine Hansestadt, besitzt
eine Kapelle, die dem Heiligen gewidmet ist. Oft sind Nikolaikirchen an
Flussübergängen gebaut. In oder am Rande von Städten wurden sie von Kauf- und
Fuhrleuten errichtet.
Die Nikolauskirchen und -Kapellen
waren Anlaufstelle für Kauf- und Fuhrleute. Sie wurden von einer Bruderschaft
getragen. Stößt man auf eine alte Nikolauskirche oder -Kapelle, kann man davon
ausgehen, dass hier ein Halt für die Fuhrwerke war. Das Stadtarchiv Lippstadt
gibt eine Dokumentation über die Nikolausverehrung und die Nikolauskirchen der
Hansestädte heraus. (stadtarchiv@stadt-lippstadt.de)
Dass Nikolaus Patron sowohl der
Schiffsleute wie der Kaufleute ist, geht auf Legenden zurück, einmal die
Stillung des Seesturms und zum anderen griff Nikolaus schlichtend bei
Streitigkeiten und Unterschlagungen ein.
Dass Nikolaus Patron der Kinder ist,
geht auf die wohl wahre Begebenheit zurück, dass er den drei Töchtern eines
verarmten Kaufmanns Goldstücke in das Zimmer warf. Weil sie jetzt eine Aussteuer
finanzieren konnten, bewahrte er sie damit vor der Tempelprostitution. Er wurde
damit zum Patron auch der Verlobten. Eine mittelalterliche Nikolausfigur erkennt
man meistens daran, dass der Heilige drei Kugeln auf einem Buch trägt. Das Buch
steht für die Verpflichtung zur Lehre, die dem Bischof besonders aufgetragen
ist.
Im Mittelalter wurde Nikolaus auch als
Schutzheiliger der Kinder verehrt. Nur dieser Bezug ist geblieben. Allerdings
ist sein Erbe in den letzten 200 Jahren im Gefolge der Pädagogisierung in sein
Gegenteil verkehrt worden. Denn anders als seit etwa 200 Jahren trat er im als
„dunkel“ verunglimpften Mittelalter nicht als der strafende Richter auf, sondern
setzte Kinder für einen Tag auf den Stuhl des Abtes von Klosterschulen oder des
Bischofs, weil den Domen meist eine Schule angeschlossen war. Ein angstmachender
Nikolausauftritt hat nichts mit dem Heiligen zu tun, der um die Wende zum 4.
Jahrhundert lebte und die Christenverfolgung noch erlebt hat.
Er könnte wieder zu dem Heiligen
werden, der Ost und West vereint. Denn er ist nicht nur Patron der Fernfahrer,
sondern auch von Russland, das ja die friedliche Wende im Osten Deutschlands
erst ermöglicht hat. Zwar hieß nicht Gorbatschow, sondern Chruschtschow
Nikita. Eine innere Verbindung mit Russland stellt der Heilige aber auf jeden
Fall her.
Eckhard Bieger
S.J.
Redaktion kath.de
Frankfurter Nikolausinitiative